München 2. Juli 1895 – Madrid 1. Dezember 1936

 
Vom Freundeskreis der XI. Internationalen Brigade und Allan Christiansen

Kindheit und Jugend

Hans Beimler wird am 2. 7. 1895 in München geboren. Die Eltern sind nicht verheiratet und aus der Arbeiterklasse. Nach drei Wochen wird er per Eisenbahn in die Oberpfalz nach Waldthurn zu seinen Großeltern gebracht. Man erzählt, dass er in eine Holzkiste mit Luftlöchern gelegt wurde und mit der Eisenbahn zu den Großeltern „versandt“ wurde. Auf dem Bahn Frankenrieth holt ihn dann der Großvater mit einem Pferdegespann ab. Die Schlosserfamilie des Großvaters ist arm. Der Bub bekommt keine Wiege, sondern nur eine Kiste. Ihm bleibt zeitlebens daher der Spitzname „Kistenböiberl“ (Kistenbub).

In Waldthurn besucht er die Volksschule von 1901 bis 1907. Schulkameraden bezeichnen ihn als lebhaft und als Draufgänger, der oft Prügel bekommt. Konditor darf er nicht werden, weil die Großeltern bis zum Urgroßvater zurück Schlosser waren. Mit 16 Jahren macht er sich nach der Gesellenprüfung auf die Wanderschaft. In München tritt er dem Deutschen Metallarbeiterverband bei, zwischenzeitlich arbeitet er auf einer Hamburger Werft.

Die Arbeiter und Soldatenräte

Während des 1. Weltkriegs ist er Bordgefreiter auf einem Minensuchboot in Cuxhaven, vorher in der Ostsee, später in der Nordsee. Dann liegt das Schiff wegen der britischen Seeblockade in Wilhelmshaven auf Reede.

Er erfährt von der russischen Oktoberrevolution. Sie ist das „ungeheuerste und tief greifendste Erlebnis meines Lebens“; so Hans Beimler später.

Matrosen in Wilhelmshaven, Demonstration am 10. November 1918

Matrosen in Wilhelmshaven, Demonstration am 10. November 1918.FotoLizenz

Anfang November 1918 erheben sich Matrosen gegen das Kaiserreich. Beimler schließt sich dem Arbeiter- und Soldatenrat an. Am 5.11.1918 erheben sich die Matrosen in Cuxhaven.

Losung der Arbeiter und Soldatenräte: „Rote Matrosen geht ins Land ! Tragt die Fahne der Revolution in jede Stadt, in jedes Land! Tragt die Fahne der Revolution in jede Stadt, in jedes Haus! Kämpft für die sozialistische Republik!”

Hans macht sich auf den Weg in die Heimat und wird bei den Kämpfen in Dachau Kommandeur der Proletarischen Hundertschaft. Die Münchner Räterepublik wird errichtet.

Revolutionäre Soldaten in München

Revolutionäre Soldaten in München.FotoLizenz

Hans Beimler wird zum Truppenausbilder der Roten Armee in München ernannt.

Die Räterepublik ist besiegt, der Kampf geht weiter

Der Kampf ging 1919 verloren und Hans kurzzeitig verhaftet.

Als bayerische Truppen ins mitteldeutsche Aufstandsgebiet verlegt werden sollen, will er dies mit einer Brückensprengung verhindern. Hans wird verhaftet und zu zwei Jahren Festungshaft, von 1921 bis 1923, verurteilt.

Nach seiner Festungshaft wurde Hans Betriebschlosser in der Lokomotivenfabrik Krauß-Maffei. Durch die Möglichkeit sich frei zwischen den Abteilungen bewegen zu können hatte er ideale Organisations- und Agitationsmöglichkeiten. Vom 8.11. auf den 9.11.1923 putschten die Nazis, angeführt von Hitler und Ludendorff, in München.

KPD Poster, 1932: Schluss mit diesem System

KPD Poster, 1932

Kampfaufruf der KPD

“Arbeiter Münchens! Die Reaktion erhebt ihr Haupt! Ihr Ziel ist die Zerschlagung der Republik und die Errichtung der faschistischen Diktatur, ihr Programm die Beseitigung von Demokratie und Arbeiterbewegung, so wie es Mussolini in Italien machte.

Arbeiter, auf die Straße!

Alle Räder stehen still, wenn euer starker Arm es will! Fegt die faschistischen und kriegslüsternen Banden durch die machtvolle Aktion der Arbeiterschaft hinweg! Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Kommunisten in einer Front gegen die Freikorpsbanden, gegen die Völkischen und die Generalsclique!

Nieder mit dem Faschismus!”

Die SPD und die Gewerkschaften zögern. Jedoch die Arbeiter marschierten gegen die Putschisten.

Internationale Solidarität, Putilov-Fabriken und “Vorwärts”

1925 wird Hans Beimler Betriebsrat bei Krauss-Maffei, in der Betriebszeitung „DER ROTE LOKOMOTIVFÜHRER“ lautet die Überschrift: Der alte Betriebsrat ist tot, Krauß-Maffei ist jetzt rot!

Mitte der zwanziger Jahre steigerte sich die Verleumdung der UdSSR insbesondere seitens der SPD und ihrer Zeitung „Vorwärts“. Ein angeblicher Anklagebrief aus den russischen Putilow-Werken in Leningrad wurde zur Anklageschrift gegen die Sowjetunion.

Als Reaktion auf diese Behauptungen erhielt die Vorwärtsredaktion eine Einladung der Putilowarbeiter in die Sowjetunion, um vor Ort ihren Behauptungen nachzugehen. Man kam dieser Einladung nicht nach.

Jedoch dafür eine deutsche Arbeiterdelegation aus Kommunisten und Sozialdemokraten und die erlebten tiefbewegende Momente proletarischer Solidarität in den Werken, auf dem Roten Platz und anderen Teilen der UdSSR die sie bereisten.

Porträt Han Beimler von Jürgen Peters, 1961

Porträt Han Beimler von Jürgen Peters. FotoLizens

Die mitgereisten Sozialdemokraten waren tief beschämt wegen der Hetze ihres Leitorgans „Vorwärts“.

Unglaublich war, was dieses Land nach den schlimmen Verwüstungen des 1.Weltkriegs und der Entente schon wieder auf die Beine gestellt hatte. So waren die von den Engländern zerstörten Ölfelder Bakus schon wieder am arbeiten.

Das Erleben in der Sowjetunion, der proletarische Internationalismus brannte sich tief ins Herz Hans Beimlers ein. Die SPD Genossen wollten sofort nach der Heimkehr zum „Vorwärts“ , um die Verleumdung aus der Welt zu schaffen und über die Reise zu berichten.

Nur, im „Vorwärts“ erschien niemals ein Bericht über diese Reise und niemals eine Revision ihrer Verdrehungen und Lügen. Die Antwort auf die Arbeit Hans Beimlers ließ seitens der Gewerkschaft nicht lange auf sich warten. Hans wurde zur Zufriedenheit der Reaktionäre aus der Metallarbeitergewerkschaft wegen „kommunistischer Umtriebe“ ausgeschlossen.

Im Reichstag gewählt

Er wurde daraufhin Verantwortlicher für die Gewerkschaftsarbeit im KPD Bezirk Niederbayern. Hans wurde Spitzenkandidat der KP in Augsburg und Abgeordneter im Augsburger Rathaus. Er wurde dann Vertreter der KP im Bayerischen Landesparlament und kam 1932 in den Reichstag.

Clara Zetkin

Clara Zetkin

Er war immer ein kämpferischer Arbeiter geblieben wie ein Beispiel im Reichstag 1932 zeigt: Clara Zetkin eröffnete als älteste Abgeordnete den Reichstag mit folgenden Worten: „Das Gebot der Stunde ist die Einheitsfront aller Werktätigen, um den Faschismus zurückzuwerfen und damit den Versklavten und Ausgebeuteten die Kraft und Macht ihrer Organisationen zu erhalten. Wenn wir uns nicht einigen, wird der Faschismus uns alles nehmen, die Demokratie und das Leben!

Vor dieser zwingenden geschichtlichen Notwendigkeit im Kampf um die Freiheit müssen wir alles Trennende überwinden, oder wir werden alles verlieren…“

Daraufhin wurde Clara von den Reaktionären und Nazis beschimpft, unter anderem von einer „Dame“ aus den Diplomatenrängen. Hans Beimler der in der Nähe saß packte diese „Dame“ am Kragen und beförderte sie eigenhändig an die Luft. Ihr Name war Emmy Sonnemann und die Geliebte Görings. Das ging natürlich auf den Gängen des Reichstags nicht ohne handgreifliche Auseinandersetzungen mit den faschistischen Leibwächtern ab. Die Sitzung des Abgeordnetenhauses mußte daraufhin unterbrochen werden.

Das Ende der Weimarer Republik ist bekannt

Hans wurde am 11.4.33 verhaftet und kam nach bestialischen Folterungen durch die Nazis in das KZ Dachau.
Hans Beimler gelingt die Flucht aus dem KZ-Dachau (später schreibt er den ersten authentischen Bericht über seine Haftzeit in Dachau) und findet nach einem Zwischenversteck bei einem Parteimitglied aus der Bauernschaft ein sicheres Versteck in der Sakristei des Ortspfarrers. Nach einer kurzen Phase der Erholung gelingt die Flucht in die Tschechoslowakei.

Trotz starker innerer Verletzungen schafft er es in die UdSSR und erholt sich dort. Die Ärzte hatten wenig Hoffnung, sein Magen war zertreten und eine Niere losgeschlagen, ein Werk der Nazibestien.

Hans Beimler mit seiner Frau Centa und Genosse Innozenz Rehm, 1930

1930, Hans Beimler mit seiner Frau Centa und Genosse Innozenz Rehm (im 1937 im KZ Dachau ermordet worden)Ein Portrait über Innozenz RehmFoto: Freundlicherweise mit der Erlaubnis von Kreisvereinigung München (VVN-BdA München)

Centa, Hans seine Frau, war zu diesem Zeitpunkt in Geiselhaft der Nazis. Hans litt sehr darunter. Sein Sohn, der 12-jährige Hansi war im Zwangserziehungslager Wasserburg. Nur seine kleine Tochter Rosi konnte bei Bekannten untertauchen.

Als Hans wieder einigermaßen hergestellt ist, geht er in die Schweiz, um von dort aus den illegalen Kampf zu organisieren. 1936 liest Hans in den Züricher Nachrichten vom Sieg der Volksfront in Spanien. Er ist wie elektrisiert und erkennt die mögliche Wende im Kampf gegen den Faschismus in Europa.

Eine weitere gute Nachricht erreicht ihn. Genossen haben seinen Sohn aus dem Zwangserziehungslager befreit und in Sicherheit gebracht. Seine Frau Centa ist jedoch weiter in Haft.

Die Komintern bereitet die Unterstützung der Spanischen Republik vor und schickt Hans nach Barcelona. Endlich, endlich war Hans wieder in seinem Element. Er konnte kämpfen, mit der Waffe in der Hand gegen die faschistischen Peiniger und Mörder seiner, unserer Genossen. 

Die Organisationsarbeit für den Aufbau schlagkräftiger antifaschistischer Kampfverbände beginnt. Nebenbei reorganisierte er den deutschsprachigen antifaschistischen Sender.

Einiges zum Wesen Hans Beimlers

Hier der Bericht eines Interbrigadisten im britischen „Daily Worker“ (5.12 1936), Zitat: „Er schreibt auf was jeder Familie fehlt, sorgt dafür, daß das Nötige wirklich beschafft wird. Jeder weiß, wenn er etwas braucht, kann er zum Hans kommen, der Hans wird schon helfen und Rat wissen. – Solange der Hans bei uns ist, sind wir nicht verloren.“

Oder ein anderer Interbrigadist sagte: „Wenn man ihn kennenlernte, wäre man nie auf den Gedanken gekommen, einen „Prominenten“ der Partei, einen der bekanntesten revolutionären Kämpfer vor sich zu haben.

Er machte nicht viele Worte, doch übertrug sich seine große menschliche Wärme, seine innere Sicherheit und Ruhe auf jenen, und ich sah keinen , der mutlos von ihm ging… Es mußte schon etwas Besonderes sein, um ihn aus seinem harmonischen Gleichgewicht zu bringen. Dann aber war er auch wie ausgewechselt… Sein Gesicht wurde hart, verschlossen, wie aus Stein gemeißelt. Die ausgeprägten Backenknochen traten noch mehr hervor… Aus solchen Augenblicken weiß ich, daß es in ihm Härten, rasende Energien gab, die, einmal entfesselt, den anderen unerbittlich treffen konnten… Aber nie ging es ihm um die eigene Person, sondern stets nur um die Sache, der sein Leben galt.“

In Barcelona und Madrid

Die deutsche Centuria hatte aber noch keinen Namen. Gemeinsam beschlossen die Genossen sich „Centuria Thälmann“ zu nennen. Es waren rund 80 Mann. In Auftrag gegeben wurde noch eine Hundertschaftsfahne. Sie wurde angefertigt von einer antifaschistischen Frauengruppe in Barcelona.

Beim Ausmarsch mit den übrigen Centurias an die Aragonfront wurde das Thälmannlied gesungen. 

Die ersten Toten der Centuria an der Aragonfront waren ein Sozialdemokrat und ein Jungkommunist. Sie wurden zusammen in einem Grab vereint bestattet.

Der Transportarbeiter Miguel als einziger Spanier in der Centuria, begründete seine Wahl für die Centuria Thälmann zu kämpfen, damit, dass Thälmann auch wie er Transportarbeiter war. Miguel war Anarchist. Immer mehr Freiwillige kamen, aus der Centuria Thälmann wurde das Thälmann-Bataillon. Im November 1936 entbrannte die Schlacht um Madrid.

Gedenkbüste Hans Beimler in Rostock

Gedenkbüste Hans Beimler in Rostock. Foto: SchiwagoLizenz

Der Tod von Hans Beimler

Am späten Abend des 1. Dezember 1936 gab der Sender Madrid diese Nachricht über den Sender: „Um die Mittagsstunden des heutigen Tages fiel in den Schützengräben vor Madrid der Abgeordnete des Deutschen Reichstages Hans Beimler, erster deutscher Kriegskommissar des Thälmann-Bataillons und der XI. Internationalen Brigade. Die Fahnen der Spanischen Republik senken sich in Trauer um einen der Großen, die in Solidarität mit dem spanischen Volk selbstlos ihr Leben für Freiheit und Demokratie einsetzten.“

Über 2 Millionen Spanier gaben Hans Beimler die letzte Ehre auf dem Weg zu seiner Beisetzung.

 


Appendix:

Lügen über seinen Tod werden noch heute verbreitet, so z.B., dass er hinterrücks von eigenen Genossen erschossen wurde oder in der sowjetischen Botschaft von GPU Agenten ermordet wurde.

Nichts davon ist wahr. Hier dazu zwei Zeugenaussagen:1995 berichtete der vor Ort anwesende Spanienkämpfer Hermann Streit wie folgt, hier im Auszug: „…Sowohl die Böschung als auch das anschließende, mit Sträuchern bewachsene Gelände waren vom Gegner einzusehen, der hier Scharfschützen postiert hatte…Ich richtete meinen Blick zurück und sah zwei Männer an der Böschung, fast ohne Deckung, die von den Schüssen getroffen waren. Sie trugen helle kanadische Pelzjacken.“ und später schrieb er nach seiner Rückkehr zum Bataillonsstab:  „Erst jetzt erfuhr ich, dass es Hans Beimler war, der zuerst getroffen und die Böschung hinaufgezogen wurde, der andere war Louis Schuster.“ oder 1985 schrieb der Schweizer Interbrigadist und Sanitäter Edy Ruchty, der ständig Verletzte aus der Frontlinie holte: „Nun kam die Hiobsbotschaft, Hans Beimler ist in der Kopfgegend tötlich getroffen worden. Man wollte sofort helfen, Hans Beimler war ja nicht allein, ein weiterer Kamerad des Genossen Beimler mit Namen „Schuster“ wurde auch tödlich an der Halsschlagader getroffen“


Ausgewähltes Bild: Passfoto von Hans Beimler, Moskau, Juli 1933. Freundlicherweise mit der Erlaubnis von ©Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau