Harry Hynes und Joe Bianca gehörten zu den Hunderten von Seeleuten, die sich den Internationalen Brigaden anschlossen (250 aus dem New Yorker Hafenviertel und Hunderte weitere aus armen Hafenvierteln anderer Küstenstädte).  Beide wurden in Spanien getötet

Seeleute, Gewerkschaftsorganisatoren und Brigadistas

Harry Hynes und Joe Bianca waren beide wichtig für den langen Kampf um die Organisation amerikanischer Seeleute.  Sie waren maßgeblich an der Gründung der „Marine Workers Industrial Union“ (MWIU) in den frühen 1930er Jahren beteiligt. Die MWIU wurde größtenteils aus ehemaligen Mitgliedern der „Industrial Workers of the World“ (IWW) und Mitgliedern der Kommunistischen Partei gebildet. Sie war eine Industriegewerkschaft im Gegensatz zu einer Handwerksgewerkschaft und unternahm nachhaltige Anstrengungen, um die Einheit der schwarzen und weißen Seeleute zu stärken. Obwohl es nur wenige Jahre dauerte, legte es den Grundstein für die Bildung der noch bestehenden (nach Erweiterungen, Fusionen usw.) „National Maritime Union“ (NMU). Während des Kalten Krieges wurden alle kommunistischen Mitglieder aus der NMU ausgeschlossen. Im Jahr 2001 fusionierte NMU mit der „Seafarers International Union of North America“.

Harry Hynes
Harry Hynes fiel einer der ersten amerikanischen Seeleute im Spanischen Krieg

Harry Hynes

Harry war ein australischer Seemann, der von amerikanischen Häfen aus zur See fuhr.  Er war Mitglied der IWW und später ein engagierter Kommunist.  Er war der erste Nationalsekretär der MWIU und hatte eine führende Rolle bei der Gründung der wichtigen Gewerkschaftszeitung „Waterfront Worker” für den Hafen von San Francisco und des „ISU Pilot” in New York (I.S.U. = International Seamen’s Union).  Zusammen mit anderen Mitgliedern der MWIU-Führung wurden er und Joe Bianca für ihren “Mut, ihre Ehrlichkeit und Selbstlosigkeit” [1] geehrt. Harry wurde auch von niemand anderem als dem Gewerkschaftsführer Harry Bridges für sein Wissen über die Gewerkschaften geehrt.
Harry diente im Lincoln und Washington Bataillon in der Maschinengewehrkompanie.  Er fiel im Juli 1937 in Brunete. Er war einer der ersten amerikanischen Seeleute der in Spanien starb.

Joe Bianca (1906 als Louis Joseph Bianca geboren)
(Joe) Louis Joseph Bianca – Ein Pionier in der Organisierung der Seeleute

(Joe) Louis Joseph Bianca – Ein Pionier in der Organisierung der Seeleute

Joe war Amerikaner italienischer Abstammung. Er ging 1924 im Alter von 19 Jahren zur See.  Wie Harry Hynes war er ein Pionier der Organisierung der Seeleute und wie Harry half er auch, die Grundlagen für die NMU, so wie sie heute existiert, zu legen.  In den 1920er Jahren reiste Joe von Hafen zu Hafen, unterrichtete und organisierte seine Kollegen auf den Schiffen.

Der ISH-Kongress in Hamburg 1932, an dem Joe Bianca teilnahm

Der ISH-Kongress in Hamburg 1932, an dem Joe Bianca teilnahm

Joe war Mitglied der IWW gewesen, trat aber 1927 der Kommunistischen Partei bei.  1931 wurde er in den Nationalrat der MWIU gewählt.  Er organisierte weiterhin Seeleute in der neuen militanten MWIU. Funktionäre und Aktivisten der neuen Gewerkschaft taten dies ohne finanzielle Unterstützung. Es fehlten die Mittel.  Oft hatte Joe nicht das Geld für eine Tasse Kaffee und musste auf dem Boden des Gewerkschaftshaus schlafen. Joes Einfluss wuchs, so dass er 1932 als MWIU-Delegierter zum Kongress der „International of Seamen and Harbour Workers“ (ISH) nach Hamburg geschickt wurde.

Joe wurde als Agitator und nicht als Führer im herkömmlichen Sinne beschrieben, als ein Mann mit absoluter Hingabe. Seine Kampfqualitäten fanden ihren Niederschlag bei den Streiks an der Westküste von 1935 und 1937.

Louis Joseph Bianca im Einsatz in Spanien

Louis Joseph Bianca im Einsatz in Spanien

Joe Bianca prüft ein Gewehr in Spanien

Joe Bianca prüft ein Gewehr in Spanien

Joe kam im Juni 1937 nach Spanien und wurde Kämpfer im Lincoln-Washington Bataillon. Für seinen Kameraden George Kaye von der Lincoln`s “war er von Beginn bis zu seinem Tod ein anerkannter Führer der Brigadisten.  Es war in diesem Jahr ununter-brochener Kämpfe, wo wir diesen harten und furchtlosen Kameraden mit seinem herausragenden gesunden Menschenverstand lieben und respektieren lernten. Über Quinto und Belchite, weiter zu Fuentes de Ebro und der Levante, Joe war immer da, gab Ratschläge, half aus, schickte niemanden an einen Ort, an den er nicht selbst gehen würde.” [2]

George Kaye, Autor von „We Couldn`t Believe It...“

George Kaye, Autor von „We Couldn`t Believe It…“ Bildnachweis, s. Photo

Nick (Mike) Pappas (geboren 8. Juni 1913 als Micheal Papadopullo), Leutnant und Kommandant im Lincoln Battalion

Nick (Mike) Pappas (geboren 8. Juni 1913 als Micheal Papadopullo), Leutnant und Kommandant im Lincoln Battalion

Der “Big Retreat”, der Rückzug, begann und Joe widmete jeden Moment dem Abschnitt den er befahl. Auf wundersame Weise entkam er ein Dutzend Mal dem Tod. Er führte seine Kameraden – Kameraden, die ihrem bewährten und erfahrenen Kommandanten vertrauten und seine Befehle befolgten. In Caspe wurde er zur Erholung nach Valls geschickt und die Batea-Gandesa-Aktion fand während seines Urlaubs statt. Aber er eilte zurück an die Front und nahm Kontakt mit seinem Bataillon an der Ostküste des Ebro auf. Sofort wurde mit der Reorganisation begonnen. Er war Nick (Mike) Pappas rechte Hand und durch seine Bemühungen war unsere Kompanie in Kampfbereitschaft als die Marschbefehle kamen.” [3]

In den Tagen der Aktion nach der Überquerung des Ebro spielte er die Rolle, die immer von ihm erwartet wurde – er war hier, dort und überall, teilte die Waffen ein, richtete das Feuer, dann geschah das Unerwartete; etwas geschah, von dem wir anfingen zu glauben, dass es unmöglich sei.” [4] Joe fiel am 18. August 1938 in der Sierra Pandols. Er wurde von seinem Kommandanten, Milton Wolff, “der beste Soldat” [5] der Brigade genannt.


Quellen:

Abraham Lincoln Brigade Archive
Carroll, Peter N.: The Odyssey of the Abraham Lincoln Brigade: Americans in the Spanish Civil War, Stanford University Press, 1994
Cornell University: William Standard Papers, Collection Number: 5258
Forbes, Donald H.: Two Two Communist Brothers from Washington, New Hampshire and their Fight Against Fascism, Lulu Press, 2013
Kaye, George: “We Couldn’t Believe It…”, The Volunteer for Liberty, volume 2, no. 33, 6 October, 1938
Nelson, Bruce: Workers on the Waterfront: Seamen, Longshoremen, and Unionism in the 1930s, University of Illinois Press, 1990

Zitate:

[1] Nelson, p. 90
[2] Kaye
[3] Ibid
[4] Ibid
[5] Carroll, p. 131


ÜBERSETZT AUS DEM ENGLISCHEN VON HAMBURGER FREUNDINNEN & FREUNDE DER XI. INTERNATIONALEN BRIGADE