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Ihr Kampf gegen den Faschismus von 1933 bis 1945

Wie viele andere niederländische Kommunisten wurden die vier Kloostra-Brüder und drei ihrer Schwager Opfer einer antikommunistischen Operation. Sie begann im Januar 1923 und wurde auf Befehl des Bürgermeisters, nach der niederländischen Kapitulation im Mai 1940, fortgesetzt.

Teil 2: Der Kampf gegen den Kommunismus

 
Von Mario Kloostra and Rudi Harthoorn/Überarbeitung vom Freundeskreis der XI. Internationalen Brigade

Die Internationale Kriminalpolizeiliche Kommission

1922 wurde die Internationale Kriminalpolizeiliche Kommission (IKK) gegründet. An der Gründung war eine Reihe europäischer Länder beteiligt (die IKK war der Vorgänger von Interpol). Das Hauptziel der IKK war die Bekämpfung des Kommunismus, bei dem die polizeilichen Geheimdienste der teilnehmenden Länder zusammenarbeiteten.

Justizminister Josef van Schaik, 1951

Josef van Schaik

Karel Henri Broekhoff. Er bereitete ab 1923 den Massenmord an niederländischen kommunistischen Widerstandskämpfern vor

Karel Henri Broekhoff

Broekhoff war der Vertreter für die Niederlande. Es wurde vereinbart, dass die kommunistischen Parteien unterwandert werden sollten. Broekhoff organisierte die Einschleusung in einer Reihe niederländischer Städte. In Den Haag war Johannes Hubertus van Soolingen der bekannteste Eingeschleuste. Van Soolingen übergab dem Polizei-Geheimdienst viele Namen von Kommunisten. Der Justizminister der Niederlande, Josef van Schaik, beauftragte Broekhoff eine Zusammenarbeit mit der Gestapo im Reichssicherheitshauptamt in Berlin zu beginnen.

Der Kampf gegen den Kommunismus: Heinrich Müller von der Gestapo Berlin, war seit Januar 1935 am Kampf gegen den niederländischen Kommunismus involviert

Heinrich Müller

Die Zusammenarbeit begann im Januar 1935 [1]. Er arbeitete unter anderem mit Heinrich Müller zusammen. Dieser wurde ab 1939 für alle Konzentrationslager, u.a. auch der Vergasung von Juden, verantwortlich. Er war verantwortlich für rund vier Millionen Ermordeter. Heinrich Müller war einer der größten Massenmörder des 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus arbeitete Broekhoff mit Bruno Friedrich Wolff zusammen, der ab Mai 1940 für den Kampf gegen den Kommunismus in Den Haag zuständig war, aber auch im übrigen Teil der Niederlande eine führende Rolle innehatte.

Aufgrund dieser Zusammenarbeit übermittelte der niederländische Geheimdienst der Gestapo zweimal, 1936 und 1939, eine Liste aktiver niederländischer Kommunisten. Auf diese Weise erhielt die Gestapo Kenntnis von wurde Tjerk Kloostra. Diese Listen führten zum Tod von Hunderten niederländischer Kommunisten.

Antikommunistische Aktivitäten während der Besatzung
Der Kampf gegen den Kommunismus: Der Justizminister der Niederlande (24. Juni 1937–25. Juli 1939), Carel Goseling

Carel Goseling

1938 ordnete der niederländische Justizminister an, dass die Polizei, einschließlich des polizeilichen Geheimdienstes, ihre Aktivitäten im Falle einer deutschen Besetzung der Niederlande, fortsetzen solle [2]. Das war Ursache für den Tod von tausend niederländischen Kommunisten und die Inhaftierung von tausend weiteren Kommunisten in Konzentrationslagern.

Der Kampf gegen den Kommunismus: Salomon Jean René de Monchy, Bürgermeister von Den Haag, Dezember 1943

Salomon Jean René de MonchyPolygoon Hollands NieuwsLizenz

Am 15. Mai 1940, dem Tag der Kapitulation der niederländischen Armee vor den deutschen Streitkräften, befahl der Bürgermeister von Den Haag, Salomon Jean René de Monchy, der städtischen Geheimpolizei ihre Aktivitäten fortzusetzen [3].

In Folge wurde Van Soolingen angesprochen und gebeten, seine Unterwanderung der KPN fortzusetzen, die sich in eine illegale Widerstandsorganisation umgewandelt hatte [4]. Diese Unterwanderung hat etwa 100 Kommunisten aus der Region Den Haag (Leiden-Delft) und 40 Kommunisten aus der Region Rotterdam das Leben gekostet. Eine vergleichbare Zahl musste lange Haftzeiten in Konzentrationslagern verbringen. Vier Verhaftungsaktionen, verursacht durch die Aktivitäten von Van Soolingen zwischen 1941 und 1945, konnten zurückverfolgt werden [5].

Die erste Verhaftungswelle

Die erste Verhaftungsaktion begann am 28. April 1941 mit der Verhaftung von vier Kommunisten durch den Sicherheitsdienst. Man wollte damit die Verbreitung von Flugblättern zum 1. Mai verhindern. Sofort wurde ein Bericht nach Berlin geschickt, dass weitere 40 Festnahmen erwartet werden – damit wird ersichtlich, wie viele Informationen von Van Soolingen geliefert hatte. Aufgrund der von Van Soolingen übergebenen Informationen und der Informationen, die man zwischen April und November 1941 durch Verhöre unter Folter erhalten hatte, wurden mehr als 150 Kommunisten von gemeinsamen Teams des Sicherheitsdienstes und des niederländischen Polizei-Geheimdienstes festgenommen.

Folter führten auch die Mitglieder des Sicherheitsdienstes, des niederländischen Polizei-Geheimdienstes und eines Vorkriegs-Informant des Polizei-Geheimdienstes aus. 57 gefolterte Widerstandskämpfer sind gestorben. Von den Verhafteten verbrachten 49 Widerstandskämpfer einen Teil ihrer Haft in Dachau [6].

Mitglieder der Familie Kloostra, die verhaftet worden waren, sind Jan Kloostra, Fred Donderwinkel und Cor Rademaker, der 1942 im KZ Groß Rosen starb. Am 25. Juni 1941 wurde ihr Schwager, Frans van den Berg, als Reaktion auf den deutschen Einmarsch in die Sowjetunion, vom polizeilichen Nachrichtendienst verhaftet. Er wurde ebenso behandelt wie die auf Grund der Unterwanderung Verhafteten. Einige entkamen der Verhaftung, da sie sich verstecken konnten, darunter Reinder Kloostra und Willy Donderwinkel (Schwiegerfamilie) – sie wurden erst viel später verhaftet.

Eingang zum Konzentrationslager Groß Rosen, 2007

Eingang zum KZ Groß Rosen, 2007Jacques LahitteLizenz

Am 2. September 1942 wurde der inhaftierte Herman Holstege vom Sicherheitsdienst und einem Mitglied des niederländischen Polizei-Geheimdienstes im Scheveninger Gefängnis (Spitzname Oranjehotel – das Orange Hotel) grausam zu Tode gefoltert. Viele Menschen im Gefängnis waren entsetzt über die Hilfe-schreie. Obwohl gesagt wurde, Holstege habe nur falsche Angaben gemacht, wurden in den nächsten zwei Tagen zwei seiner engsten Mitarbeiter in Rotterdam festgenommen. Nach den Informationen, die durch Hausdurchsuchungen und Folter gewonnen wurden, erfolgte die Festnahme von etwa 180 Personen, 47 von ihnen starben. 13 Verhaftete kamen nach Dachau [7].

Scheveningen Gefängnis in Den Haag mit dem Spitznamen Oranjehotel (Orange Hotel)

Scheveningen Gefängnis in Den Haag mit dem Spitznamen Oranjehotel (Orange Hotel)Arjan de Jager KleinLizenz

Die zweite Verhaftungswelle

Die zweite Verhaftungsaktion fand im Mai 1942 statt, hauptsächlich in Delft. Man verhaftete ca. 80 Kommunisten, 7 von ihnen starben – zwei wurden hingerichtet und fünf starben in einem Konzentrationslager. Die meisten von ihnen wurden freigelassen, etwa 20 verbrachte man in ein Konzentrationslager, zwei davon in Dachau [8].

Eingang zum KZ Dachau

Eingang zum KZ DachauRennett StoweLizenz

Die dritte Verhaftungswelle

Die dritte Verhaftungsaktion begann im Dezember 1942. Die Führung des kommunistischen Widerstands in Den Haag geriet in eine Falle, die der nieder-ländische Geheimdienst mit Hilfe von Van Soolingen gestellt hatte. Mehr als 40 Personen wurden festgenommen. Von ihnen starben 15 – sieben durch Hinrichtung, sieben in einem Konzentrationslager und einem – Tjerk Kloostra – wurde nach einem Schusswechsel mit der niederländischen Polizei durch den Kopf geschossen. Von den Festgenommenen waren neun Personen in Dachau. Unter den Festgenommenen war Johan Kloostra und Schwager Willy Donderwinkel [9].

Die vierte Verhaftungswelle

Die vierte Festnahmeaktion fand am 9. März 1945 statt. Vier Personen wurden festgenommen, drei von ihnen am 12. März hingerichtet. Die Überlebende war eine Frau, die man einen Monat später freiließ. Sie hatte direkten Kontakt zu Van Soolingen gehabt. Während ihrer Verhöre gab ein Mitglied des niederländischen Geheimdienstes versehentlich einige Informationen preis, die sie wissen ließ, dass Van Soolingen ein Informant des Polizei-Geheimdienstes war. Aufgrund ihrer Wachsamkeit konnte die ganze Geschichte nach dem Krieg rekonstruiert werden.

Im Nachgang

Nach dem Krieg benannte man einen großen Platz in Den Haag nach dem Bürgermeister De Monchy, der für den Tod von mindestens 130 kommunistischen Widerstandskämpfern verantwortlich war.

Niederländische Historiker haben das Schicksal kommunistischer Widerstandsteilnehmer nie sorgfältig untersucht.

Es gibt Hinweise, dass die Unterwanderung in Den Haag, die 1923 begann und während der deutschen Besatzung fortgesetzt wurde, auch in anderen Teilen der Niederlande stattfand. Die Gesamtzahl der Todesfälle aufgrund dieser politischen Verfolgungsaktion geht wohl in die Tausend. Aber es gab mehr Engagement der niederländischen Behörden bei der Bekämpfung des kommunistischen Widerstands, der gegen die Deutschen gerichtet war. Die Gesamtzahl dieser Todesfälle beträgt ungefähr zweitausend – das entspricht etwa zwei Drittel aller kommunistischen Opfer.


Quellen und Notizen:

[1] Bericht über das Treffen vom 4. und 5. Januar 1935 zwischen Broekhoff und Mit-gliedern der Abteilung Bekämpfung des Kommunismus des RSHA in Berlin, Collectie Moskou, NIOD, Amsterdam.

[2] ‘Circulaire’ von Justizminister Goseling an die Bürgermeister in den Niederlanden, Justizministerium, Dep. A.S., Nr. 2350 Zeer Geheim (Sehr geheim), 25.4.1938.

[3] ‘Mededelingen van het hoofdcommissariaat’ (Mitteilungen des Hauptkommissars) Nr. 271, 15.5.1940, PA, Nr. 432, Inv. Nr. 546, HGA. In der Mitteilung wird erwähnt, dass der unveränderte Nachrichtendienst dem Kommissariat der Sittenpolizei unterstellt wird; dies impliziert, dass die Nachrichtendienstabteilung weiterarbeiten musste. Eine solche Reorganisation bedarf der Zustimmung des Bürgermeisters, der Polizeipräsident ist.

[4] Lebensbeschreibung von Johannes Hubertus van Soolingen in seiner Begnadigungsakte, Nationalarchiv. In der Lebensbeschreibung gesteht er, dass er seit Januar 1923 auf Geheiß des Nachrichtendienstes die Haager KPN infiltriert hatte und erwähnt, dass der Nachrichtendienst einige Wochen nach dem deutschen Einmarsch an ihn herantrat mit der Bitte, die Infiltration fortzusetzen.

[5] Mitteilung von Christiaan van Spronsen, ehemaliger Häftling von Dachau, in seinem Antrag auf eine Widerstandsrente 1979, dass Van Soolingen 1941 in seiner Widerstandsgruppe, Stichting (Stiftung) 1940-1945, war. ‘Vertrauliche Mitteilung über die illegale KPN in Den Haag’ von Johannes Hubertus Veefkind, dass Van Soolingen ihn darüber informierte, dass in Delft eine Gruppe von Kommunisten aktiv war, Zentralarchiv Spezielle Strafverfahren (CABR) 107, Akte Veefkind, Nationalarchiv. Infolge dieser zweiten Infiltration wurden 75 Verhaftungen vorgenommen, von denen 7 starben. In derselben Akte berichtete Veefkind, dass van Soolingen ihn darüber informiert hatte, dass er die KPN erneut infiltriert hatte. Es stellte sich heraus, dass dies mit Johannes Philippus Bronkhorst (Ex-Häftling von Dachau) geschah. Diese dritte Infiltration führte zu mehr als 50 Verhaftungen und etwa 30 Todesfällen durch die Einschleusung des jüdischen kommunistischen Widerstandsführers Jacob Boekman. Über die Art und Weise, wie Van Soolingen Boekman in eine Falle lockte, existieren Aussagen der Geheimdienstler Cornelis Bakker, Cornelis Heijnis und Jilis van der Waard, jeweils CABR 71245, 431 und 308. Ende 1944 infiltrierte Van Soolingen erneut die KPN, was zu drei Füsilierungen führte. Geständnis von Van Soolingen in seinen Akten beim CABR, Akten 76478 und 91269.

[6] Festgenommene Personen der ersten Infiltrationsaktion, die einen Teil ihrer Inhaftierung in Dachau verbracht haben, sind: Hendricus Arendse, Martinus van Beek, Balt de Buijzer, Johannes Bronkhorst, Hendrik Küchenchef, Krijn Küchenchef, Cornelis Compter, Johannes van Driel Johannes Duhen, Carel Duran, Johannes Gisolf, Niucolaas de Goede, Letho van Gool, Gerrit Guit, Albert de Haas, Willem Harthoorn, Hendrik Holstein, Bernardus Huisman, Simon de Jong, Jan Keuvelaar, Jan Kloostra, Evert van Kommer, Teunis van der Kroft, Johannes Kuiper, Jacobus Lezwijn, Jan Lepelaar, Jacobus Marijt, Johannes Montfoort, Cornelis Neven, Johannes Onvlee, Maarten Oort, Franziskus van Ophem, Henricus Paalvast, Bastiaan van Pouderoijen, Frederik van Sandwijk, Markus Schmaal, Cornelis Simonia Spronsen, Franziskus van der Stal, Cornelis van Staveren, Johannes Teske, Willem Theil, Leendert Vogel, Paulus van Wandelen, Hendrik van Welzen, Nicolaas Wijnen, Frederik Willems, Simon Wolff, Alexander van Wouw.

[7] Verhaftete Personen, die aufgrund der Folter von Herman Hosltege einen Teil ihrer Haft in Dachau verbracht haben, sind: Grrit Bom, Arie Donker, Johannes van Dooren, Dirk Keiser, Frederik Kok, Jacobus Mackaij, Casparus Markenstein, Pieter van der Ster, Cornelis Tazelaar, Hendrikus Toor, Rederik Urbanus, Gerardus Vleugels, Adrianus Wijngaard.

[8] Verhaftete Personen der zweiten Infiltrationsaktion, die einen Teil ihrer Haft in Dachau verbracht haben, sind: Hendrik Bosch und Gerard van der Lee.

[9] Verhaftete Personen der dritten Infiltrationsaktion, die einen Teil ihrer Inhaftierung in Dachau verbracht haben, sind: Jacob Bijl, Evert Brand, Willem Herder, Lodewijk Jansen, Rokus Kleingeld, Johan Kloostra, Gijsbert van Münster, Wilhelmus de Vries.


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