Kerstin Gustafson war 1986 mit einer Gruppe ehemaliger Spanienkämpfer aus Scheden zum 50. Jahrestag des Ausbruchs des Bürgerkriegs in Spanien. Dort traf sie Maria Zaitzeva, die von 1936 bis Ende 1937 Dolmetscherin und Übersetzerin der sowjetischen Militärberater war. Maria war im Oktober 1936 mit ihrem Ehemann Ruben Sergeyevit Abakov mit dem Schiff nach Barcelona gekommen.
Von den 119 sowjetischen Frauen (die uns bekannt sind) die während des Bürgerkriegs in Spanien gearbeitet haben, waren 114 von ihnen Dolmetscherinnen, Übersetzerinnen, telegraphische Mitarbeiterinnen oder Stenographinnen. Die verbliebenen fünf hatten andere Aufgaben.
Maria Zaitzeva, 1986

Maria Zaitzeva, 1986

Spanien wiedergesehen
Kerstin berichtet:
Als Maria  am Flughafen Barajas in Madrid aus dem Flugzeug stieg, waren genau fünfzig Jahre vergangen, seit sie das letzte Mal auf spanischem Boden gestanden hatte.

1936 kam sie im Alter von 25 Jahren als Dolmetscherin und Übersetzerin für die sowjetischen Militärberater nach Spanien. Sie arbeitete über ein Jahr an der Front. Jetzt hat sie Spanien wiedergesehen.

Eine Gruppe sowjetischer Kriegsveteranen wurde in das internationale Sommerlager der Kommunistischen Jugendliga (CJC) nach Escorial, einige Kilometer außerhalb Madrids gelegen, eingeladen. Junge Menschen aus ganz Spanien und Vertreter aus ganz Europa feierten den 50igten Jahrestag der Gründung von Juventud Socialista Unificadas. Eine der Veteranen war Maria Zaitzeva, eine kleine, aber unbezwingbare Frau mit gebundenem grauen Haarknoten.

Studium der spanischen Sprache
“Spanien wird immer das zweite Land in meinem Herzen sein”, sagte Maria.

Vor dem Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs studierte Maria am Fremdspracheninstitut in Moskau. Ihre erste Sprache war Französisch, die zweite Sprache war Spanisch.

“Ich habe nicht viel Spanisch gelernt”, sagte sie, “zumindest nicht am Institut. Aber nach dem Studium wurde mir angeboten, bei der sowjetischen Delegation in Uruguay zu arbeiten. Dort war ich von 1934 bis 1936 und dort lernte ich die Sprache richtig.”

Als sie zurück in Moskau war, rebellierte Franco gegen die republikanische Regierung in Spanien. Maria war Mitglied der Kommunistischen Jugendliga (Komsomol) und arbeitete aktiv für das spanische Volk.

Sie meldet sich als Freiwillige
– “Wir sammelten Geld, schickten Essen, arrangierten Versammlungen. Nicht nur die Regierung, auch das gesamte sowjetische Volk stand auf der Seite der spanischen Republik. Da ich spanisch sprechen konnte, habe ich mich freiwillig für den Krieg in Spanien gemeldet. Ich dachte, ich kann helfen.” Und Maria reiste nach Spanien und in den Krieg. Sie arbeitete als Dolmetscherin und Übersetzerin für die sowjetischen Militärberater.

Maria erinnert sich, dass es anfangs schwierig war, da sie die militärische Terminologie nicht kannte. – “Aber da wir 24 Stunden am Tag gearbeitet haben, haben wir es schnell gelernt. Die Dolmetscher waren meistens Frauen, mutige Frauen, die unter ständiger Bombardierung an der Front arbeiteten. Unter diesen Bedingungen nahm ich an den Schlachten von Jarama, Guadalajara, Brunete, Zaragoza und Belchite teil.”

13 Monate an der Front
Maria war 13 Monate an der Front. Nach den 13 Monaten Frontdienst, wurde sie nach Hause gerufen. Die Arbeit dort in Spanien war so hart, dass alle Dolmetscher nach etwa einem Jahr ersetzt wurden. Mit schwerem Herzen kehrte Maria nach Hause zurück. – “Ich habe eine besondere Liebe zu Spanien und den Spaniern. Ich habe viel Liebe, Zärtlichkeit und Dankbarkeit von ihnen erhalten.”

Maria erinnert sich besonders an die erste Operation in Teruel im Jahr 1936. – “Es war Dezember und es war sehr kalt. Wir suchten nach Schutz und Wärme in einem Haus, einem sehr armen Zuhause. Die Frau im Haus empfing uns mit so viel Liebe. Sie hatte kein Essen, aber sie gab uns die letzten Bohnen die sie hatte.” Mary schwieg einen Moment. – “Weißt du was, ich werde das nie vergessen.”

Die Hoffnung, eines Tages zurückzukehren
Ich habe Maria in Madrid getroffen. Es ist ihr erster Besuch in Spanien seit dem Bürgerkrieg. Sie hat die spanische Sprache nicht verlernt, sie spricht immer noch fließend Spanisch und dient auch den anderen Veteranen als Dolmetscherin.

Sie hat auch das spanische Volk nicht vergessen. – “Nein, ich habe immer gehofft, noch einmal nach Spanien zurückzukehren. Spanien ist mein zweites Vaterland und ich liebe die Spanier.”