Michail Jakusjin und Marius Christianen nahmen an derselben Veranstaltung teil. Sie wurde zum Ausgangspunkt und Beginn ihrer dauernden Freundschaft. 1937 war Marius Christiansen ein dänischer Freiwilliger im spanischen Bürgerkrieg und Michail Jakusjin ein russischer Pilot in der spanischen republikanischen Luftwaffe. Diese zwei Veteranen des spanischen Bürgerkriegs trafen sich 49 Jahre danach in Kopenhagen und zwei Jahre später in Moskau

Das andere Flugzeug

Der letzte Teil der Geschichte begann 1986, als auf der Esplanade im Park „Churchillparken“ in Kopenhagen ein Denkmal für die dänischen Interbrigadisten im spanischen Bürgerkrieg errichtet wurde. Bei der Enthüllung war ein ganz besonderer Gast anwesend.

Der Vorsitzende von De Danske Spaniensfrivilliges Forening (Verband dänischer Freiwilliger in Spanien), Marius Christiansen [1], besuchte im Sommer 1936 die Bibliothek und las dort in Zeitungen von 1936 bis 1938. Durch reinen Zufall stieß er auf einen Artikel über ein Ereignis, an dem er selbst teilgenommen hatte. In dem Artikel wird ein bestimmter Pilot namentlich erwähnt.

Über die sowjetische Botschaft in Kopenhagen bekam Marius Kontakt mit Michail Jakusijn [2], dem Piloten. Marius lud ihn ein, an der Einweihung des dänischen Denkmals teilzunehmen.

Bei der Enthüllung des Denkmals waren etliche ausländische Veteranen des spanischen Bürgerkriegs anwesend, jene Freiwillige der Freiheit, die Seite an Seite mit den Dänen gekämpft hatten. Einer der bekanntesten Gäste war der russische Pilot Michail Jakusjin. Als erster Pilot hatte er im Luftkampf Nachts ein faschistisches Flugzeug abgeschossen und ging dadurch in die Geschichte ein.

Leutnant Michail Jakusjin vor seinem Polikarpov-Kampfflugzeug

Leutnant Michail Jakusjin vor seinem Polikarpov-Kampfflugzeug

Die Veranstaltung sorgte damals für viel Aufsehen. Die Weltpresse schrieb darüber, und Michail Jakusjin wurde vom damaligen spanischen Ministerpräsidenten Juan Negrín y López für seine Tat geehrt.

Marius’ Bericht über das Ereignis

Für Marius war der Abschuß nicht wegen des weltgeschichtlichen Aspekts von Bedeutung, sondern weil der Abschuß sein Leben gerettet hat.

Marius erzählt: “Ich war Krankenwagenfahrer in der XV. Brigade, und während der Brunete-Offensive hatten wir genug zu tun; ich transportierte die Verwundeten Tag und Nacht von der Front ins Feldlazarett. Eines Abends bot sich die Gelegenheit für mich ein Nickerchen auf einer Bahre neben dem Graben zwischen zwei Zelten zu machen. Nachts wurde ich durch das Geräusch eines Flugzeugs, ein Aufklärer, geweckt. Dann fiel schon die Bombe. Sofort rollte ich mich in den Graben. Dann, zuerst ein Blitz, gefolgt von einem Knall; überall verstreut Erde und Körperteile. Dann Stille, nur der Motor des Bombers war in der Dunkelheit der Nacht das einzige wahrnehmbare Geräusch. Ich kam unter dem durchlöcherten und zusammengebrochenen Zelt hervor und suchte nach dem verdammten faschistischen Flugzeug. Plötzlich sehe ich Geschoßgarben aus einem anderen Flugzeug, die den Bomber zum Absturz bringen.”

Der Pilot vom „anderen Flugzeug ” war Michail Jakusjin.

Der 80-jährige Geburtstag soll nach russischer Art gefeiert werden

1988, zwei Jahre später, wurde Marius 80 Jahre alt, und die beiden Freunde, Marius Christiansen und Egon Gissel [3] hatten beschlossen den Geburtstag in Moskau auf russische Art zu feiern – mit Kaviar, Wodka und Champagner. Während sie dort waren, konnten sie auch Michail anrufen und ihn zur Feier einladen.

Generalleutnant, Alexander Stepanowitsch Osipenko, 1946

Generalleutnant, Alexander Stepanowitsch Osipenko, 1946

Und genau das haben sie getan. Michail nahm die Einladung gerne an und erschien … mit einer Delegation des sowjetischen Komitees für Kriegsveteranen unter der Leitung des Generalleutnants der Luftwaffe, Alexander Osipenko.

Die russischen Gäste bestanden darauf, die Verleihung der Auszeichnungen für die beiden dänischen Genossen in einer besonderen Feierstunde in den Räumlichkeiten des Komitees im Zentrum Moskaus durchzuführen. Es war eine feierliche Veranstaltung. Die Russen sprachen großartig über Tapferkeit und Solidarität und lobten die Dänen, die in den Internationalen Brigaden ein hohes Ansehen genossen.

Michail Jakusjin, Marius Christiansen und Egon Gissel. Foto: Privatbesitz

Michail Jakusjin, Marius Christiansen und Egon Gissel. Foto: Privatbesitz

Neben den russischen Veteranen des spanischen Bürgerkriegs nahmen auch spanische Veteranen an der Verleihung der Auszeichnungen teil. Sie teilten gemeinsam die Erinnerungen an die Kriegsjahre.   Überwältigt durch die Erinnerung an ihre misshandelten Kameraden, konnten einige der Veteranen nicht weiter über ihre Erlebnisse berichten.

Die Verleihung der Auszeichnung: von links nach rechts: Marius Christiansen, der Dolmetscher und Alexander Osipenko, 1988. Foto: Privatbesitz

Die Verleihung der Auszeichnung: von links nach rechts: Marius Christiansen, der Dolmetscher und Alexander Osipenko, 1988. Foto: Privatbesitz

Die beiden dänischen Ehrengäste blieben gefasst und konnten noch darüber Mitteilung geben, wie sich die Dinge für sie und die anderen dänischen Freiwilligen nach dem Bürgerkrieg entwickelt hatten und wie viele von ihnen noch dabei waren.

Michail und Marius’ stärkste Erinnerung war der Abschuss des Bombers in Brunete. Dieser Abschuß war die Achse ihrer Freundschaft. Wie Marius zu seinem Freund sagte: “In dieser Nacht haben wir viele Leben gerettet – von oben – du als Pilot – ich als Krankenwagenfahrer”.


Anmerkungen:

[1] Marius Christiansen, geboren am 7. November 1908 – gestorben am 9. Juli 1993. Wenn Sie mehr über die Erfahrungen von Marius Christiansen während des spanischen Bürgerkriegs lesen möchten, haben wir zwei weitere Artikel in Englisch :
Marius Christiansen — a Stoker Goes Ashore
The ‘Gunpowder Ship’ M/S Gatun from Gatun

[2] Michail Nikolajewitsch Jakusjin, Generalmajor der Luftwaffe, geboren am 20. März 1910 – gestorben am 5. Juli 1999.

[3] Egon Gissel, dänischer Freiwilliger im spanischen Bürgerkrieg, Vorstandsmitglied von De Danske Spaniensfrivilliges Forening (Verband dänischer Freiwilliger in Spanien), geboren am 22. März 1915 – gestorben am 16. Januar 1995.


ÜBERSETZT AUS DEM ENGLISCHEN VON Freundeskreis der XI. Internationalen Brigade