Der Arbeiterschriftsteller Willi Bredel (1901-1964) hat seine Wurzeln in Hamburg, in den Milieus der Zigarrenmacher, der Fabrikarbeiter und der Seeleute. Wie kein anderer Autor seiner Heimatstadt hat er die Geschichte der Hamburger Arbeiter und ihrer Organisationen in vielen seiner Werke literarisch verarbeitet.
 
International bekannt wurde Bredel durch seinen dokumentarischen Roman „Die Prüfung“, der in über zwanzig Sprachen übersetzt wurde und eine Auflage von über einer Million Exemplaren erreichte. In diesem Werk, das 1935 in London und Moskau erschien, verarbeitete er die schrecklichen Erlebnisse seiner Haftzeit im KZ Fuhlsbüttel in Hamburg. Durch „Die Prüfung“ wurde die Weltöffentlichkeit erstmals in literarischer Form über Unterdrückung, Leiden und Widerstand in einem Konzentrationslager des Dritten Reiches informiert.

 
Von Hans-Kai Möller

Anfangsjahren

Willi Bredel wird am 2.Mai 1901 als Sohn eines sozialdemokratischen Zigarrenmachers geboren und erlernt nach dem Besuch der Volksschule vier Jahre lang den Beruf des Drehers in einer Armaturenfabrik. Bredels beruflichen Lehrjahre werden auch zur politischen Lehrzeit. Er organisiert sich im Deutscher Metallarbeiter-Verband und in der sozialdemokratischen Arbeiterjugend.

Jan Petersen und Willi Bredel an einem deutschen Schriftsteller-Kongress in Berlin sprechen: der Kulturbund für demokratische Erneuerung von Deutschland, 4-6, Juli 1950.

Jan Petersen und Willi Bredel im Gespräch bei einem Schriftsteller-Kongress, 1950PhotoLizenz

Von 1919 bis 1922 arbeitet er ehrenamtlich als Redakteur der unabhängigen sozialistischen Zeitschrift „Freie Proletarische Jugend“. Als er nach dem Hamburger Aufstand im Oktober 1923 mehrere Monate in Untersuchungshaft genommen wird, schreibt er im Gefängnis sein Erstlingswerk „Marat, der Volksfreund“ [1], das nach einem Vorabdruck in der KPD-Tageszeitung „Hamburger Volkszeitung“ (HVZ) Anfang 1926 als Büchlein erscheint.

Buchreihe von progressiven Schriftsteller erscheinen. Die ersten zehn Bände der Bibliothek von fortgeschrittenen Autoren, veröffentlicht nach der Kultur Verordnung der DDR vom 16. März 1950 nun erscheinen. Bei dieser Gelegenheit wurde eine Pressekonferenz am 5. Januar 51 in Kulturbundhaus in Berlin statt. Hier im Bild: Willi Bredel (links) neben Prof. Wieland Herzfeld. Im Vordergrund gebunden die Reihe der Bücher in Leder. Recht: W. Langrock, Leiter der Abteilung der polygraphischen Industrie in der DDR.

Willi Bredel auf einer Pressekonferenz, 5. Januar 1951FotoLizenz

Seemann im Mittelmeer

Von Oktober 1926 bis August 1927 unternimmt Bredel sieben Mittelmeerfahrten als Maschinist und Schmierer auf dem Frachter Barbara, bei denen er zahlreiche Hafenstädte Spaniens, Portugals, Italiens und Nordafrikas kennen lernt und einige Reisekorrespondenzen für die HVZ verfasst.

Nagel & Kämp

Kurz nach seiner Abmusterung findet Bredel Beschäftigung als Dreher bei der Maschinenfabrik Nagel & Kaemp. Auch hier setzt er sich für die Interessen seiner Kollegen ein und wird als Kandidat der Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO) in den Betriebsrat gewählt. Bereits im Juni 1928 entlässt ihn die Firma. Bredel wird Redakteur der HVZ und 1930 vom Reichsgericht wegen zweier unliebsamer Artikel zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt. In dieser Zeit schreibt er seinen ersten Roman „Maschinenfabrik N & K“ in dem er seine Erlebnisse in diesem Betrieb verarbeitet. Zwei weitere kleine Romane aus dem proletarischen Alltag folgen.

KZ Fuhlsbüttel

Zwei Tage nach dem Reichstagsbrand wird Bredel am 1.3.1933 verhaftet und in das KZ Fuhlsbüttel eingeliefert. Nach dreizehn Monaten Haft, davon elf in Einzelhaft, und schweren Misshandlungen entlässt man ihn. Er flieht nach Prag und schreibt dort seinen dokumentarischen KZ-Roman „Die Prüfung“.

Am Flughafen Schönefeld, 21. Mai 1952 mehr Gäste kommen im 3. Deutschen Schriftstellerkongress teilzunehmen. Sehen Sie hier: Gewinner des National Award, Willi Bredel den sowjetischen Dichter Stepan Stschipatschew (links) und Professor Myasnikov begrüßt.

Willi Bredel begrüßt den sowjetischen Dichter Stepan Stschipatschew (links) und Professor Myasnikov, 21. Mai 1952FotoLizenz

Exil in Moskau

Im November 1934 siedelt er nach Moskau über, von wo er ab 1936 mit Bert Brecht und Lion Feuchtwanger die antifaschistische literarische Exilzeitschrift „Das Wort“ herausgibt. Im Juli 1937 schließt er sich nach der Teilnahme am internationalen Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur in Valencia den Internationalen Brigaden an, um auch mit der Waffe die Spanische Republik gegen die Franco-Putschisten zu verteidigen.

Der spanische Bürgerkrieg

Bis Mitte November wird er als Kriegskommissar bei der 11. Internationalen Brigade eingesetzt und bleibt danach noch bis Juni 1938 in Spanien. Seine Erlebnisse verarbeitet er zu der Romanchronik „Begegnung am Ebro“, die er bereits Ende 1938 in einem Exilverlag in Paris in deutscher Sprache veröffentlicht.

Bewusstseinsbildung

Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kehrt er mit dem letzten Schiff von Le Havre nach Leningrad in die Sowjetunion zurück. Nach dem Überfall durch Hitlerdeutschland verfasst Bredel zahlreiche Flugblätter für deutsche Soldaten, diskutiert mit Kriegsgefangenen und spricht in seiner Muttersprache über den Moskauer Sender. Später ist er bei Lautsprechereinsätzen an Frontabschnitten in Woronesch, Stalingrad und Kiew aktiv.

Im Juli 1943 gehört er zu den Gründungsmitgliedern des Nationalkomitees „Freies Deutschland“, einer antifaschistischen Organisation, in der deutsche Kriegsgefangene gemeinsam mit deutschen Exilanten für den Sturz Hitlers aktiv sind.

Das Grab von Willi Bredel auf dem Denkmal für die Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfeld in Berlin-Lichtenberg

Das Grab von Willi Bredel in Berlin-LichtenbergFotoLizenz

Mitten im Zweiten Weltkrieg erscheint der erste Band seiner Trilogie „Verwandte und Bekannte“. In diesem Werk gestaltet Bredel das Schicksal von drei Generationen einer Hamburger Arbeiterfamilie und bezieht auf diese Weise die Entwicklung der deutschen Arbeiterbewegung von 1871 bis 1948 mit ein.

Antifaschistische Kultur

Anfang Mai 1945 trifft er als Mitarbeiter einer Initiativgruppe der KPD (Ulbricht Group) in Mecklenburg ein und beteiligt sich am Wiederaufbau in Rostock und Schwerin. Er wird zum Vorsitzenden des Demokratischen Kulturbundes in Mecklenburg-Vorpommern gewählt und engagiert sich für die Entwicklung einer antifaschistischen neuen Kultur.

Von 1950 bis zu seinem frühen Tode am 27. Oktober 1964 lebt er in Ost-Berlin als Schriftsteller und Kulturpolitiker. Seit 1956 ist er Vizepräsident, seit 1962 Präsident der Deutschen Akademie der Künste.


Note:

[1] Jean-Paul Marat 24. Mai (1743-1713 Juli 1793) war ein Schweizer geboren, Französisch Arzt, Politiker, Politologen, Wissenschaftler und Journalist, der ein erbitterter Verfechter der Rechte der Arbeiterklasse war. Seine Zeitung, L’Ami du peuple (Freund des Menschen), war seine politische Mundstücke während der Revolution Französisch.


Wir danken der Willi-Bredel-Gesellschaft Geschichtswerkstatt e.V. aus Hamburg und dem Autor Hans-Kai Möller für die Erlaubnis, den Text zu übernehmen. 


Ausgewähltes Bild: Willi Bredel auf einer Pressekonferenz in Berlin, 5. Januar 1951. Zuschreibung: BundesarchivLizenz. Das Foto wurde abgeschnitten.