Ihr Kampf gegen den Faschismus von 1933 bis 1945

Wie viele andere niederländische Kommunisten wurden die vier Kloostra-Brüder und drei ihrer Schwager Opfer einer antikommunistischen Operation. Sie begann im Januar 1923 und wurde auf Befehl des Bürgermeisters, nach der niederländischen Kapitulation im Mai 1940, fortgesetzt.

Teil 3.3: Die Familie Kloostra und Schwager: Johan Kloostra

 
Am Kampf gegen den Faschismus während des Krieges in Spanien und während des Zweiten Weltkriegs waren 15 Mitglieder der Familie Kloostra und ihrer Schwiegerfamilie beteiligt. Vier von ihnen kamen ums Leben.

Vom Mario Kloostra & Rudi Harthoorn/Überarbeitung und Übersetzung (aus dem Englischen) vom Freundeskreis der XI. Internationalen Brigade

Drei Kloostra-Brüder im Spanischen Bürgerkrieg: Henk, Johan und Arie Kloostra – aus der Ausstellung im Wald von La Fatarella, enthüllt im November 2018

Drei Kloostra-Brüder im Spanischen Bürgerkrieg: Henk, Johan und Arie Kloostra

Johan Kloostra (Foto: Rudi Harthoorn)

Johan Kloostra

Johan (Jo) Kloostra wurde am 22. März 1916 in Rotterdam geboren. Er wuchs in einer Familie mit zwölf Kindern auf. Die ganze Familie war kommunistisch orientiert und alle wurden Antifaschisten. Sein Beruf war technischer Designer. Sein Rufname war “Jo”. In den dreißiger Jahren stand er häufig auf einer orangefarbenen Kiste im Zentrum von Den Haag und agitierte gegen den Faschismus. Er half jüdischen und kommunistischen Flüchtlingen, die deutsch-niederländische Grenze zu passieren und brachte sie zu sicheren Adressen, um zu verhindern, dass die holländische Polizei sie erwischte und zurück nach Deutschland schickte.

Der Spanische Bürgerkrieg

Zusammen mit seinem Bruder Henk und seinem Schwager Leen Triep reiste Jo Kloostra am 4. April 1937 nach Spanien, um sich als Freiwilliger den Internationalen Brigaden anzuschließen.

Johan Kloostra (mit Mütze) an der Front im Spanischen Bürgerkrieg

Johan (mit Mütze) an der Front im Spanischen Bürgerkrieg

Internierungslager in Frankreich

Nach der Auflösung und Beendigung des Krieges für die Interbrigaden, kam er 1938 in ein von Stacheldraht umschlossenes Lager am Strand in der Nähe von Argelès sur Mer in Südfrankreich. In diesem Lager befanden sich ungefähr 74.000 Flüchtlinge: Spanier und ausländische Frei-willige der Internationalen Brigaden. Die Situation im Lager war so schlecht, dass man es als Konzentrationslager bezeichnen kann: Viele Menschen starben an Hunger, unhygienischen Zuständen und schlechten Unterkünften.

Gedenkdenkmal für die Menschen, die während der Retirada im Internierungslager Argelès interniert waren

Gedenkstein, Internierungslager ArgelèsAbedia

Bald konnte Jo das Lager verlassen und kam im März 1939 in die Niederlande. Dort verlor er seine niederländische Staatsbürgerschaft (Lesen Sie bitte Teil 3.1: Die Familie Kloostra und Schwager: Arie Kloostra)

Unmittelbar nach der deutschen Besetzung der Niederlande im Mai 1940, schloss Jo Kloostra sich dem kommunistischen Widerstand in Den Haag an. Er trat mit seinem Bruder Arie und seinem Schwager einer Gruppe bei, die von Anfang an Waffen  trug und Sabotage an Autos und Telefonkabeln verübte.

Leendert (Leen) Johannes Triep

Leen Triep

Arie Kloostra

Arie Kloostra

Später war Jo an der Fälschung von Lebensmittelgutscheinen und Zwangsausweisen beteiligt. Jo benutzte den Decknamen „Wim“. Am 24. Dezember 1941 heiratete er Dina van Rijsdam (*29. März 1916–†27. October 1991).

Jaap Boekman
Jacob (Jaap) Boekman

Jacob (Jaap) Boekman

Tjerk Koostra

Tjerk Koostra

Im Herbst 1942 war er Kurier zwischen seinem Bruder Tjerk Kloostra und Jaap Boekman, dem neuen Leiter des kommunistischen Widerstands in Den Haag. Boekman wurde am 21. Dezember 1942 vom Polizei-Geheimdienst festgenommen, nachdem er von Van Soolingen in eine Falle gelockt worden war, und in das Gefängnis Scheveningen (Spitzname „Oranjehotel“) gebracht. Boekman schwieg trotz schwerer Folterungen, jedoch ein Mitgefangener in der Zelle verleitete ihn dazu, über seine Erfahrungen im Widerstand zu sprechen. Dieser Mitgefangene war ein Spitzel. 

Scheveningen Gefängnis in Den Haag, Spitzname Oranjehotel (Orange Hotel)

„Oranjehotel“ (Orange Hotel)Arjan de Jager KleinLizenz

Verhaftet

Der Sicherheitsdienst hat somit viel über den kommunistischen Widerstand erfahren und eine große Anzahl von Kommunisten im Widerstand wurde daraufhin festgenommen. Am 10. März 1943 wurde Jo Kloostra ebenfalls verhaftet, am 17. Februar 1943 ebenso sein Schwager Willy Donderwinkel. Jo steckte man in Den Haag (ins „Oranjehotel“) und Utrecht ins Gefängnis.

Der Prozeß

Im Juni 1943 fand in Utrecht am Kriegsgericht der Kriegsmarine ein Strafverfahren gegen weitere wichtige Mitglieder der Gruppe Boekman statt. Vier Personen erhielten die Todesstrafe und wurden hingerichtet. Nach dem gefällten Urteil kamen Jo Kloostra und Willy Donderwinkel am 6. Oktober 1943 in das Konzentrationslager Herzogenbusch (Vught).

Die Familie Kloostra und Schwager – Arie Kloostra:Das Konzentrationslager Herzogenbusch (niederländisch: Kamp Vught), von etwa September 1944 bis 1945

Das Konzentrationslager Herzogenbusch (niederländisch: Kamp Vught), von etwa September 1944 bis 1945

Im Konzentrationslager

Seine Brüder Arie und Rein wurden bereits im Konzentrationslager Herzogenbusch interniert. Jo wurde dem Philips-Kommando zugeordnet. Etwa zur gleichen Zeit verbrachte man auch seinen Schwager Willy Donderwinkel ins Lager Herzogenbusch.

Die drei Brüder kamen dann am 24. Mai 1944 nach Dachau. Im Herbst 1944 waren dann vier Kloostra-Brüder gleichzeitig in Dachau: Arie, Jan, Johan und Rein. Jan kam anschließend in das Aussenkommando Steinhöring. In Steinhöring musste er als Heizungsmonteur in einem Lebensborn-Projekt arbeiten. Kurz vor der Befreiung kam er nach Dachau zurück.

Der Eingang zum KZ Dachau

Der Eingang zum KZ DachauRennett StoweLizenz

Das Lebensborn Institut Steinhöring

Das Lebensborn Institut Steinhöring

Kurz vor der Befreiung waren Arie und sein Bruder Johan für einen sogenannten Todesmarsch mit unbekanntem Ziel ausgewählt worden. Man erwartete, dass die meisten oder vielleicht alle Auserwählten während dieses Marsches sterben würden. Ein deutscher Mitkämpfer aus Spanien erkannte die Brüder und konnte so ihre Namen auf die Liste der „Schwarzmarkthändler“ setzen. Den Rest ihres Lebens hatten sie den bitteren Geschmack, dass sie auf Kosten des Lebens anderer überlebten.

Befreiung und der Bus von Dachau

Die Befreiung war am 29. April. 

Nach der Befreiung halfen sie den Amerikanern, versteckte SS-Offiziere aufzuspüren. Da viele Befreite bald in ihre Heimatländer zurückkehren konnten, nicht aber die Niederländer, organisierte der in Dachau befreite Niederländer Hans Teengs Gerritsen einen Bus für die Rückkehr und bat um Hilfe für die Evakuierung der anderen Niederländer in Dachau. Im Bus befanden sich 18 befreite Personen, darunter Arie und Johan. In der Tat konnten sie nach ihrer Rückkehr veranlassen, dass eine Evakuierungsmaßnahme eingeleitet wurde.

1987 wurde ein Buch mit einer Beschreibung dieser Rückholaktion veröffentlicht [1].

Der Bus aus Dachau

Der Bus in Dachau am 17. Mai kurz vor der Abfahrt in die Niederlande. Zweiter von rechts mit Mütze Arie, über ihm im Fenster mit Mütze und Sonnenbrille Johan. In der ersten Reihe: dritter von rechts nach links Ed Hoornik, Hans Teengs Gerritsen, Jaap Mesdag, Carel Steensma. Weitere Personen sind Willem Brugsma, Louis van Dungen, Dirk de Loos, Piet Maliepaard, Freek Niemeijer, Johan Post Uiterweer, Jannes van Raalte, Nico Rost, Frits Steen, 
Cas Vermeulen, Bram Wolff

Die Nachkriegsjahre

Nach dem Krieg arbeitete Jo im Heizungsbau und stieg zum Projektleiter auf. Er arbeitete auch in der Verwaltung von Regierungsgebäuden. Aufgrund seiner in der Gefangenschaft erlittenen gesundheitlichen Probleme, wurde er im Alter von 52 Jahren pensioniert.

Sein Charakter kann als humorvoll, optimistisch und verantwortungsbewusst be-schrieben werden. Er diskutierte gerne über politische Themen und blieb in der kommunistischen Partei aktiv. Er hatte drei Kinder. Sein Hobby war das Filmen und Zeichnen. Er war vernarrt in seine Enkelkinder, die er häufig filmte. Seine Zeichnungen waren wunderschön.

Johan Kloostra und Leen Leen Triep 1986 – die erste große Reise nach Spanien

Johan Kloostra und Leen Leen Triep (mit Baskenmütze) in Spanien, 1986

Johan Kloostra und Leen Leen Triep (mit Baskenmütze) in Spanien, 1986

Jo Kloostra und Leen Leen Triep in Spanien, 1986

Johan Kloostra starb in Alphen aan den Rijn am 27. Oktober 1991.


Notiz:

[1] Schneider, Jos und Gijs van de Westelaken: “De bus uit Dachau” (“Der Bus aus Dachau”), 1987 (ISBN: 9789460038679). Zweite Auflage 2018 (ISBN:9789460038303).


DIE AUTOREN SIND FÜR DEN INHALT VERANTWORTLICH